österreichischer Reisepässe, die vor 2009 ausgestellt wurden, könnten wieder Visa für US-Besuche brauchen.
unserem Korrespondenten Oliver Grimm (Die Presse)
Washington. Die Pariser Mordanschläge vom vergangenen Freitag sorgen nun dafür, dass es für manche EU-Bürger demnächst umständlicher wird, in die USA einzureisen. Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein legte am Donnerstag eine Gesetzesnovelle vor, derzufolge man wieder ein Visum für USA-Reisen brauchen wird, wenn man innerhalb der vergangenen fünf Jahre Syrien oder den Irak besucht hat. Das bedeutet einen persönlichen Termin an einer Botschaft oder einem Konsulat der USA und ein bisweilen ziemlich langwieriges Interview durch einen Konsularbeamten.
Derzeit brauchen Inhaber österreichischer Reisepässe mit einem elektronischen Chip kein Visum für USA-Reisen. Für sie gilt, so wie für die Bürger aller anderen EU-Mitgliedstaaten mit Ausnahme Bulgariens, Kroatiens, Polens, Rumäniens und Zyperns, das sogenannte Visa Waiver Program. Sie müssen sich allerdings vor Reiseantritt gegen Gebühr im Electronic System for Travel Authorization (Esta) anmelden.
Feinsteins Novelle, die Anfang Dezember zur Abstimmung kommen und von beiden Parteien im Senat unterstützt werden wird, könnte allerdings auch Österreichern mit elektronischen Reisepässen neue Behördengänge aufbürden. Der Gesetzesvorschlag sieht nämlich auch vor, dass von jedem Menschen, der in die USA einreisen will, vorab Fingerabdrücke und ein Foto erfasst werden. Eine EU-Verordnung schreibt vor, dass diese biometrischen Daten auf dem Computerchip gespeichert werden, der in jeden neuen Pass eingearbeitet ist. Österreich setzt diese europäische Vorschrift aber laut der Informationswebsite des Innenministeriums erst seit dem 30. März 2009 um. Ein Sprecher der österreichischen Botschaft in Washington bestätigte auf Anfrage der „Presse“, dass österreichische elektronische Pässe, die vor diesem Stichtag ausgestellt worden sind, die Fingerabdrücke und Fotos ihrer Inhaber noch nicht digital gespeichert haben. Allerdings könnten die US-Behörden diese biometrischen Daten derzeit eigenständig nicht aus den Pässen lesen. Bezüglich Feinsteins Gesetzesvorschlag meinte er, man müsse dessen genauen Wortlaut abwarten, um ihn bewerten zu können. Die Novelle sähe zudem vor, dass die USA von den europäischen Staaten einen verstärkten Austausch sicherheitsrelevanter Daten verlangen.
Carson vergleicht Syrer mit Hunden
Das Abgeordnetenhaus beschloss unterdessen am Donnerstag eine Verschärfung des Prüfverfahrens syrischer Flüchtlinge. Künftig sollten der FBI-Direktor, der Leiter der Heimatschutzbehörde und der Direktor für Nationale Sicherheit für jeden einzelnen von den USA aufgenommenen Flüchtling eine persönliche Unbedenklichkeitserklärung abgeben. Justizministerin Loretta Lynch und FBI-Direktor James Comey erklärten diese Vorgabe, die der Zustimmung durch den Senat bedarf und die Präsident Barack Obama mit einem Veto zu verhindern angekündigt hat, für nicht ausführbar. Jedenfalls illustriert sie die verschärfte Tonart der Republikaner gegenüber den Flüchtlingen. Der in Umfragen derzeit an zweiter Stelle liegende Präsidentschaftskandidat Ben Carson verglich beispielsweise die Kriegsvertriebenen mit „tollwütigen Hunden“, vor denen man seine Kinder schützen müsse. Donald Trump, der in den Umfragen voran liegt, will alle Muslime in einer Datenbank registrieren.
Sparen bei Flugbuchung: Der günstigste Tag zum Fliegen ist der...
Geld sparen bei der Flugbuchung
Der günstigste Tag zum Fliegen ist der...
Sie gehören zu denjenigen, die vorzugsweise am Samstag in den Urlaub fliegen? Dann zahlen Sie womöglich deutlich mehr, als Sie müssten! Die Reisesuchmaschine Momondo hat bei einer Analyse von Millionen Flugpreisen ermittelt, dass man besonders viel spart, wenn man unter der Woche fliegt. Welcher Tag der günstigste zum Fliegen ist und wie man bei der Buchung sonst noch sparen kann.
Foto: Getty Images
Bei der Flugbuchung kann man einiges sparen, sofern man am richtigen Tag fliegt und früh genug zuschlägt
Samstags zu fliegen, macht für viele Arbeitnehmer Sinn: Schließlich kann man mit den freien Wochenenden die Urlaubszeit auf ein Maximum ausdehnen. Vermutlich gerade deshalb sind die Preise für Flüge, die an Samstagen gehen, besonders teuer. Bis zu 12 Prozent zahlt man an diesem Tag im Vergleich zu anderen Wochentagen mehr, wie die Meta-Reisesuchmaschine Momondo in ihrer „Annual Flight Study“ herausgefunden hat. Mehr als 12,6 Milliarden Flugpreise wurden für die Studie miteinander verglichen, analysiert wurden 100 Verbindungen, die auf der Seite besonders häufig gebucht werden.
Die Analyse ergab: Dienstags zu fliegen lohnt sich aus finanzieller Sicht oft am meisten. Der durchschnittliche Preisunterschied zwischen Flügen am Dienstag und Samstag liegt bei 11,5 Prozent. Der zweitteuerste Flugtag ist der Freitag. Interessant: Eine Studie des Reiseportals Expedia in Kooperation mit Airlines Reporting Corporation (ARC) hatte ergeben, dass der Dienstag auch der beste Tag ist, um einen besonders günstigen Flug zu buchen, sofern man dies drei Wochen im Voraus tut.
BESSER NICHT LAST MINUTE
Laut der Flugpreisanalyse von Momondo sollte man noch deutlich früher buchen: Im Durchschnitt ist das Ticket 53 Tage, also etwa sieben Wochen vor Abflug am günstigsten. Satte 26 Prozent können Urlauber im Schnitt sparen, wenn sie so lange im Voraus buchen. Der optimale Buchungszeitraum hängt allerdings stark von der jeweiligen Strecke ab. Je nach Route betrug der Preisunterschied sogar bis zu 57,9 Prozent. Wenig überraschend: Am teuersten ist der Flug, wenn man ihn erst am Abflugtag selbst bucht.
Aber nicht nur der Tag, auch die Flugzeit spielt eine Rolle für den günstigsten Preis: In der Abendzeit zwischen 18.00 und 24.00 Uhr fliegt man Momondo zufolge meist am günstigsten, im Gegensatz zu Flügen zwischen 10.00 und 15.00 Uhr. Im Schnitt liegt die Differenz hier bei 5,9 Prozent.
Orlando (/USA) – Der US-Freizeitparkbetreiber SeaWorld will seine umstrittenen Shows mit Schwertwalen einstellen.
Wie Unternehmenschef Joel Manby mitteilte, werde die „One Ocean“-Vorführung im kalifornischen San Diego nur noch bis Ende 2016 zu sehen sein. Er stellte zudem eine neue Strategie vor, mit der er das Image der Freizeitparks verbessern will. Das hat der Konzern auch dringend nötig.
VergrößernEin Foto aus früheren Zeiten: Ein Orca schwimmt im SeaWorld in San Diego an den staunenden Besuchern vorbei
Foto: AP/dpa
SeaWorld, mit Sitz in Orlando (Florida), betreibt Themenparks in San Diego (Kalifornien), Orlando und San Antonio (Texas). Elf von insgesamt 24 Killer-Walen befinden sich in San Diego. In die Schlagzeilen kam SeaWorld auch wegen brutaler Tier-Attacken in seinen Parks.
VergrößernDie weltberühmte Killerwal-Show im SeaWorld in San Diego. Ende 2016 soll sie eingestellt werden
Foto: Reuters
In vielen Shows kam es zu Zwischenfällen – manche endeten glimpflich, andere jedoch nicht.
Für die Zuschauer ist oft im ersten Moment nicht immer klar, wie ernst die Situation ist. Viele halten sie für einen Teil des Spektakels. Szenen, wie sie in solchen Tier-Shows an der Tagesordnung sind:
Ein Tierpfleger springt ins Wasser, er wird von dem tonnenschweren Wal sofort unter Wasser gedrückt, schwimmt immer wieder davon, versucht zu entkommen. Alles nur Teil der Show? Nein! Mitarbeiter stürmen an den Beckenrand, versuchen, dem Kollegen zu helfen.
VergrößernDie Wale werden als Jungtiere von ihren Familiengruppen getrennt, wachsen dann in Gefangenschaft auf
Foto: Reuters
Es sind dramatische Szenen wie diese, die zeigen, wie gefährlich das Spiel mit den Killern ist: Eine Tierpark-Mitarbeiterin reitet auf dem Buckel eines Wals. Plötzlich packt das Tier zu, reißt sein Opfer in die Tiefe. Im Becken spritzt das Wasser wie bei rauem Seegang, Wellen klatschen über den Poolrand. Die Frau schreit um Hilfe, Mitarbeiter versuchen zu helfen, doch sie wird immer wieder unter Wasser gedrückt – der Killerwal hat sich in ihr Bein verbissen!
Solche Fälle waren beinahe Alltag in den Parks.
VergrößernBei den meisten Orcas knickt im Laufe der Gefangenschaft die Rückenflosse um
Foto: AFP
BILD erinnert an die schlimmsten Vorfälle mit den eingesperrten Meeressäugern in SeaWorld und anderen Parks.
► Im November 2006 schnappte Orca Kasatka in der SeaWorld von San Diego nach einem Dompteur, zog ihn mehrmals unter Wasser. Erst nach 15 Minuten ließ der Killer-Wal von dem Mann ab. Der Orca spielte mit dem Trainer, als wäre er ein Ball. An der Wasseroberfläche konnte der Coach zwar immer wieder nach Luft schnappen, die Befreiung gelang ihm aber nicht. Der Tiertrainer überlebte mit einem gebrochenen Fuß.
► An Weihnachten 2009 kam ein Orca-Trainer in einem Meerespark auf der Kanareninsel Teneriffa ums Leben. Mit einem Gewicht von bis zu einer Tonne drückte Wal „Keto“ den 29-Jährigen in zwölf Metern Tiefe gegen den Beckenboden. Der Mann ertrank.
► Eine junge Deutsche entging nur knapp dem Tod bei einer Trainingsstunde mit einem Orca im „Loro Parque“ auf Teneriffa. Die 29-Jährige kam mit einer Lungenquetschung und einem gebrochenen Unterarm davon, als das Tier sie auf den Grund des Beckens zog.
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SeaWorldKillerwal tötet Trainerin
Manchmal enden Begegnungen zwischen Mensch und Wal tödlich: Im Februar 2010 wurde Dompteurin Dawn Brancheau († 40) von einem Orca zerfleischt. Das Unglück ereignete sich im Freizeitpark SeaWorld (Orlando, USA)
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Foto: AP/Orlando Sentinel, Julie Fletcher
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► Traurige Berühmtheit erlangte Orca „Tilikum“, der laut Tierschutzorganisation „The Humane Society of the United States“ bereits in mehrere tödliche Zwischenfälle verwickelt war. 1991 kam eine Trainerin in Kanada ums Leben, die mit „Tilikum“ arbeitete. Sie stürzte in das Wal-Becken – als sie herausklettern wollte, wurde sie zurückgezogen. Sie ertrank. 1999 wurde ein Besucher tot aus einem Becken gezogen – der Mann hatte sich nachts in den Park einschließen lassen, offensichtlich um mit dem Wal zu spielen.
TEUERSTE SHOPPINGMEILE| Wo zahlt man 33 812 Euro Miete pro Quadratmeter?
Wo zahlt man 33 812 Euro Miete pro Quadratmeter?
Die 5th Avenue in New York bleibt die teuerste Einkaufsstraße der Welt.
Dies geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Immobilien-Beratungsfirma Cushman & Wakefield hervor, die die Bewertung jedes Jahr anhand der Mietpreise pro Quadratmeter vornimmt.
Die 5th Avenue liegt damit im zweiten Jahr in Folge vor der Shoppingmeile Causeway Bay in Hongkong, die zuvor die Liste angeführt hatte.
VergrößernGesäumt von Hochhäusern, die 5th Avenue in New York
Foto: dpa
Auf Platz drei landeten die Champs Élysées in Paris als teuerste Einkaufsstraße Europas.
Die Geschäfte in Hongkong bekamen demnach die Abkühlung der chinesischen Konjunktur zu spüren, weil das Geld der Touristen vom Festland nicht mehr ganz so locker saß.
Dies führte zu einem Rückgang der Mietpreise um zwölf Prozent – nach einem Rückgang um knapp sieben Prozent im Jahr zuvor. Damit liegt die Miete in dem beliebten Viertel nun bei im Schnitt 23 178 Euro pro Quadratmeter, wie aus der anlässlich einer Messe in Cannes veröffentlichten Studie hervorgeht.
Hingegen erleben die USA einen wirtschaftlichen Aufschwung, der in den größten Städten zu einer Neubewertung der Immobilien und einem Anstieg der Mieten um 6,9 Prozent führte.
Für Geschäfte an der 5th Avenue in New York beträgt die Miete nun 33 812 Euro pro Quadratmeter. An den Champs Élysées in Paris kostet der Quadratmeter 13 255 Euro. Damit bleibt die Prachtmeile teurer als die Bond Street in London.
Englisch und Spanisch: Werden die USA zweisprachig?
dpa
In den USA leben derzeit rund 55,4 Millionen Spanischsprachige
16.11.15
Immer mehr US-Bürger sind Latinos, und ihre Sprache gewinnt an Bedeutung. Ist Zweisprachigkeit die Zukunft des Riesenlandes?
Washington/Miami. Lange Zeit war Spanisch in den USA die Sprache unterprivilegierter Einwanderer. Man begegnete ihr in Restaurantküchen und in den Häusern von Latinos, die auf der Suche nach dem American Dream in die Staaten gekommen waren. Doch die Zeiten haben sich geändert: Heute spielt Spanisch selbst im Weißen Haus eine Rolle. Und im US-Wahlkampf.
Was heute im von kubanischen Einwanderern geprägten Miami bereits Alltag ist, könnte zur Zukunft der ganzen Nation werden: ein zweisprachiges Land, in dem Englisch und Spanisch nebeneinander existieren. Fast alles lässt sich in Miami im US-Bundesstaat Florida bereits auf Spanisch regeln, sei es eine Behördensache oder ein Anruf beim Telefonanbieter.
Ähnlich verhält es sich in den Metropolen New York, Los Angeles oder Chicago. Immer mehr Internetseiten haben einen spanischen Webauftritt, viele Firmen bieten sowohl einen englischen als auch einen spanischen Kundenservice. Doch nicht allen gefällt das: Der Einzug der Zweisprachigkeit in den Alltag sorgt für ähnliche Spannungen wie die Einwanderungspolitik.
"Sie sollten ein Vorbild sein und Englisch sprechen, wenn wir in den USA sind", kritisierte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump seinen Konkurrenten Jeb Bush. Der hatte auf Spanisch um Latino-Stimmen geworben. "Das ist die Realität in den USA", verteidigte sich der mit einer Mexikanerin verheiratete Bush.
55,4 Millionen Spanischsprachige in den USA
Der Streit verdeutlicht den Konflikt um die steigende Zahl von Latinos. In den USA leben derzeit rund 55,4 Millionen Spanischsprachige, die meisten von ihnen Einwanderer aus Lateinamerika und deren Nachfahren. Das sind 17,4 Prozent der US-Bevölkerung.
Vor diesem Hintergrund fürchtet so mancher - wie Trump - einen Bedeutungsverlust der englischen Sprache. Die Organisation Proenglish.org etwa verteidigt das "historische Recht des Englischen als gemeinsame und vereinigende Sprache". Vor allem die Regierung und die Verwaltung müssten englischsprachig bleiben. Englisch solle zur offiziellen Landessprache erklärt werden, fordert Proenglish-Chef Robert Vandervoort. Für ihn wäre dies ein wichtiger Schritt, um Einwanderer zu ermutigen, sich zu assimilieren.
Den Kritikern zum Trotz hielt Spanisch bereits Einzug ins Weiße Haus. Mit den Worten "Bienvenidos a la Casa Blanca" (Willkommen im Weißen Haus) empfing Präsident Barack Obama kürzlich die kubanischen Musiker des Buena Vista Social Club. Die Webseite des Amtssitzes des US-Präsidenten gibt es neben Englisch nur in einer weiteren Sprache: auf Spanisch. "Das ist die falsche Message", kritisiert Vandervoort. "Die Regierung soll den Leuten nicht sagen: ,Ihr müsst nicht Englisch lernen, wir schreiben euch alles auf Spanisch auf.'" Die USA könnten sonst enden wie Kanada: "Das Land ist gespalten - Französischsprachige gegen Englischsprachige."
Spanisch eigentlich keine Fremdsprache mehr in den USA
"Es ist ein faszinierender Moment für die spanische Sprache", sagt dagegen Gerardo Piña-Rosales, Direktor der Nordamerikanischen Akademie für die Spanische Sprache (ANLE). Spanisch habe Französisch an den Universitäten verdrängt und sei auch in Schulen immer gefragter. Zudem sei Spanisch eigentlich keine Fremdsprache in den USA. "Es wurde hier früher gesprochen als Englisch." Daran erinnern auch die Namen von Bundesstaaten wie Florida und Colorado oder Städtenamen wie Los Angeles, Sacramento und San Antonio.
Piña-Rosales zufolge wird der Siegeszug des Spanischen weitergehen. Prognosen des US-Zensus scheinen seine These zu untermauern. Demnach werden die USA im Jahr 2050 die größte spanischsprachige Nation der Welt sein. Etwa ein Drittel der Bevölkerung - geschätzt 133 Millionen Menschen - werden dann Spanisch sprechen. Den jüngsten Entwicklungen zum Trotz ist Spanisch aber das Einwanderer-Image noch nicht losgeworden. "Wenn Migranten sozial aufsteigen, hören sie auf, Spanisch zu sprechen", sagt Piña-Rosales. "Sie sehen es als eine Sprache zweiter Klasse, und dagegen müssen wir vorgehen."
Ob sich Spanisch im ganzen Land wird durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Vor allem die großen Städte werden zweisprachiger, wie Piña-Rosales meint.
Eine Entwicklung hin zu einer "funktionalen Zweisprachigkeit" sieht Ignacio Olmos, der Direktor des New Yorker Cervantes-Instituts: Spanisch werde in den USA präsent sein, aber "ohne das Englische zu bedrohen".
In New York reiht sich ein Wolkenkratzer an den nächsten, immer mehr Luxus-Immobilien treiben Kauf- und Mietpreise in die Höhe
Foto: dpa
Der New Yorker Immobilien-Wahnsinn nimmt kein Ende. In Manhattan schießen die Nobel-Wolkenkratzer weiter aus dem Boden – und die Mieten und Kaufpreise durch die Decke. Doch der Widerstand gegen die Invasion der Milliardäre und ihren Ultra-Luxus nimmt zu.
New York – Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein über Manhattan, doch am Columbus Circle vor dem Central Park sah man Regenschirme, soweit das Auge reicht. Anwohner protestierten gegen die vielen Wolkenkratzer von Superreichen in ihrem Viertel.
VergrößernEin Haus im Zentrum New Yorks steht zum Verkauf
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Sie fühlen sich erdrückt von den Luxus-Gebäuden, die in der „Billionaires' Row” genannten 57. Straße aus dem Boden schießen. „Milliardäre sollten nicht in der Lage sein, den Himmel zu kaufen”, sagte Stadtrat Ben Kallos, der sich der Initiative angeschlossen hat.
Mit den schwarzen Schirmen wollten die Demonstranten zeigen, dass die Protzbauten den Rest der Bevölkerung in den Schatten drängen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. „Die Geste symbolisiert die gut 300 Meter langen Schatten, die diese Mega-Türme auf unseren geliebten Central Park und die öffentlichen Plätze New Yorks werfen werden”, erklärte das Bündnis „Stand Against the Shadows”, das hinter der Protestaktion vom vergangenen Sonntag steht.
VergrößernDie Skyline von New York ist geprägt von Luxus-Immobilien
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In einem öffentlichen Brief riefen die Aktivisten New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio auf, die Übernahme der Skyline Manhattans zu stoppen: „Tun Sie, was richtig und längst überfällig ist, und verhängen Sie ein Moratorium für den künftigen Bau von Gebäuden, die mehr als 90 Meter hoch sind, bis gründliche Studien zu den Folgen für Umwelt und Infrastruktur durchgeführt wurden und die Öffentlichkeit sich einbringen konnte.”
VergrößernBar einer Wohnung im Wolkenkratzer One57 mit Panoramablick
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Stein des Anstoßes ist vor allem der Wolkenkratzer One57 mit 360-Grad-Panoramablick auf den Central Park und die Flüsse Hudson und East River. Im Januar wurde ein Penthouse im 89. und 90. Stock des Gebäudes der 157 West 57th Street für 100 471 452 Dollar verkauft – New York knackte damit erstmals die 100-Millionen-Dollar-Marke. Seitdem ist die Immobilie Symbol für den umstrittenen Trend zum „Ultra-Luxus” in der Ostküsten-Metropole.
Doch für viele Beobachter grenzt der Boom an Exzess. New York, immer schon eine beliebte Spielwiese von Spekulanten, Projektentwicklern, Immobilien-Mogulen und Maklern, ist bei der internationalen Geld-Elite begehrt wie selten zuvor. Superreiche aus der ganzen Welt – egal ob Chinas neue Milliardäre oder Russlands alte Oligarchen – reißen sich um ihr Stück vom Big Apple. Luxus-Immobilien wie One Riverside Park, One57 oder Hudson Yards sollen die Stadt noch schicker und prachtvoller machen.
VergrößernEin Schlafzimmer über den Dächern New Yorks – Anfang des Jahres ließ sich ein Käufer diesen Luxus über 100 Millionen Dollar kosten
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Der Ansturm der Milliardäre lässt aber auch die Mieten kräftig steigen – und das birgt sozialen Sprengstoff. Immer weniger New Yorker können sich New York leisten, wie diverse Studien belegen. Derzeit werden in Manhattan einer Analyse des Immobilienportals „The Real Deal” zufolge mehr Apartments mit Monatsmieten über 15 000 Dollar exklusiv von Maklern angeboten als unter 2000 Dollar. Die Wohnungssuche ohne einen Vermittler, der Provision kassiert, ist sehr schwierig.
VergrößernAusblick aus einer Wohnung im Wolkenkratzer One57
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Aber trotz der sozialen Folgen und der Proteste tut New York nach wie vor fast alles, um ein Magnet für internationales Großkapital zu bleiben. „Wenn wir ein paar Milliardäre auf der Welt finden, die zu uns ziehen, wäre das ein Geschenk des Himmels”, sagte der damalige Bürgermeister Michael Bloomberg 2013 der „New York Times”. Von dem Geld der Superreichen würden auch alle anderen profitieren.
Unter Bloombergs Nachfolger de Blasio hat sich bislang nicht viel geändert. Durch New Yorks komplizierte Steuergesetze werden extrem teure Mega-Deals äußerst lukrativ, während sie Immobilienkäufe am unteren Ende der Preisspanne für weniger betuchte Käufer erschweren.
VergrößernBlick aus einer Wohnung des Wolkenkratzers One57 mit Blick auf den Central Park und die Skyline von New York
Foto: dpa
Obwohl die Grundsteuer eine der wichtigsten Einkommensquellen der Stadt ist, wird der Bau von Ultra-Luxus-Objekten großzügig gefördert. Beim Rekord-Kauf des One57-Apartments fiel dem Analyse-Portal „Metrocosm” nach nur ein Mini-Steuersatz von 0,017 Prozent an – etwa ein Hundertstel der landesweiten Durchschnittsrate. So zahlen die wohlhabendsten Immobilieneigner in New York am wenigsten Steuern.
Von Henry Ford bis Iggy Pop: Florida ist seit jeher das bevorzugte Altersdomizil amerikanischer Ruheständler. Der Sunshine State der USA lockt mit Wärme, Palmen, langen Stränden, und der Alltag ist leicht planbar und sehr entspannt.
Diese Vorzüge haben sich bis nach Europa herumgesprochen – jeder fünfte deutsche Florida-Urlauber etwa hat seinen 55. Geburtstag bereits hinter sich. Viele dieser über 70.000 Reisenden im Jahr sind Langzeiturlauber, die sich mehrere Monate Sonne und Golfspiel gönnen. Dafür gibt es gute Gründe.
Endlich Ruhe: Langsam fahren, früh schlafen
Sie fanden Ihr Leben in Deutschland anstrengend genug und wollen es endlich ruhig angehen lassen? Kein Problem. Auf Floridas Highways dürfen Sie langsam fahren. Parkplätze sind reichlich vorhanden und üppig bemessen.
Und wer sich abends früh langlegen möchte, kann vorher noch gut essen gehen. Im Restaurant diniert sogar günstiger, wer vor dem großen Ansturm zu Tisch geht. "Early Bird Special" nennt sich das Abendessen zum Vorzugspreis.
Ob rüstig oder ruhig – Rentner müssen sich in Florida nicht bemühen, um ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Leben zu führen. Die Infrastruktur ist vorhanden, Stress ein Phänomen der Vergangenheit.
Foto: Getty Images/Blend Images RMGutes Wetter und mehr als 270 Golfplätze – Florida ist ein Paradies für Golfer
Aktiv bleiben: Golfen unter Palmen
Mehr als 270 Golfplätze signalisieren: Hier können Sie jeden Tag auf einem anderen Green spielen. Während Ihre Freunde daheim noch überlegen, ob der nächste trockene Golfplatz in Spanien oder der Türkei zu finden ist, haben Sie allein im Großraum Miami die Wahl unter mehr als einem Dutzend Plätzen.
Foto: Getty ImagesSoll ich oder soll ich nicht? Diese beiden Damen haben alle Zeit der Welt, sich an das Nass zu gewöhnen
Relax-Faktor: Die Füße im Wasser
Wer am Strand von Sarasota, Naples oder Passe-a-Grille den Liegestuhl in die sanften Wellen setzt, um mit den Füßen im Wasser dabei zuzuschauen, wie die Sonne im Golf von Mexiko versinkt, erkennt: Das Leben kann leicht sein und gut.
Vor allem die Strände der Golfküste sind mit weichem Sand und warmem Wasser wie riesige Wellness-Tempel. Sie wirken auch Wochen oder Jahre nach der Ankunft noch entspannend.
Klimatisierte Kunst: Dalí, Rubens und andere
Ewige Sonne bedeutet nicht zwangsläufig kulturelle Ödnis. Dank der Sammelleidenschaft kunstbeflissener und vermögender Exil-Yankees ist Florida Standort einiger der wichtigsten Museen der USA. Dazu gehören das Dalí-Museumin St. Petersburg mit 96 Ölgemälden und zahlreichen anderen Arbeiten Salvador Dalís und das Ringling-Museum in Sarasota, das staatliche Kunstmuseum Floridas mit einer der größten Rubens-Sammlungen der Welt.
An der Atlantikküste hat sich Miami, dessen Miami Beach Convention Center alljährlich Anfang Dezember Schauplatz der Art Basel ist, zu einem beachtlichen Kunstzentrum entwickelt – mit dem kleinen, feinen Bass Museum of Art in Miami Beach, dem für zeitgenössische Kunst zuständigen Museum of Contemporary Art und dem auf Renaissance, Barock und asiatische Kunst spezialisierten Lowe Art Museum, um nur einige zu nennen.
Damit bietet Miami zahlreiche Möglichkeiten der Flucht vor allzu großer Hitze oder geistiger Erschöpfung durch das amerikanische Fernsehen.
Arthritis: Wärme wirkt Wunder
Kälte erlebt in Florida nur, wer den Kühlschrank öffnet, um einen Drink zu mixen, oder wer in einem der stark klimatisierten Restaurants oder Einkaufszentren zu Gast ist (Abhilfe leistet ein Kaschmirjäckchen). Ansonsten ist ganzjährig mit wohliger Wärme zu rechnen, die selbst in den Wintermonaten tagsüber oft bei 25 Grad liegt und in den Sommermonaten von großer Hitze jenseits der 30-Grad-Marke abgelöst wird. Doch für die Knochen sind selbst die von hoher Luftfeuchtigkeit begleiteten Temperaturen der Wirbelsturm-Saison eine Wohltat.
Wieder Kind sein: Vergnügungsparks
Das Recht auf Regression ist nicht der geringste Vorzug des Alters. Und wo könnte man besser wieder zum Kind werden als im Großraum Orlando, Heimat zahlreicher Themenparks, deren ältester und womöglich berühmtester Disneys "Magic Kingdom" ist?
Rentners Paradies
Walt Disney machte Orlando 1971 mit der Eröffnung dieses ersten von vier Disney-Parks in Florida zu einem Epizentrum des Tourismus. Liefern Sie sich musikalischer Dauerberieselung und dem Zauber eigentümlicher Fahrgeschäfte aus, essen Sie Popcorn, schütteln Sie Mickey Mouse die Hand und lassen Sie sich mit Donald Duck fotografieren.
An der Atlantikküste werden im Kennedy Space Center in Cape Canaveral Kindheitsträume von der bemannten Raumfahrt zu eindrucksvoll dokumentierter Realität. Nebeneffekt: Wenn die Enkel zu Besuch kommen, kennen Sie sich bereits bestens aus.
Ohne Weiterreise: Kubanisch essen
Aus politischen Gründen gibt es das beste kubanische Essen bereits seit einigen Jahrzehnten in Florida. Erste Adresse für kubanische Cuisine ist Miami, Heimat einer vielköpfigen Gemeinde von Exil-Kubanern. Die Rezepte für kubanische Sandwiches oder Spanferkel mit schwarzen Bohnen und Reis reichen sie von Generation zu Generation weiter.
So schmeckt es hier wie in Havanna, Cienfuegos, Trinidad oder Santiago de Cuba. Nur lässt es sich viel einfacher kochen – Engpässe beim Erwerb der Zutaten gibt es in Florida nicht.
Vorbilder: Von Henry Ford bis Iggy Pop
Vor harten Wintern nach Florida zu fliehen, hat Tradition. Schon im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Ritual des Überwinterns in Florida, bald wurde der Sunshine State zum Ruhestandssitz im Süden ausgebaut.
Foto: Getty ImagesBei Iggy Pop scheint der lange Aufenthalt in Florida schon einen gewissen Einfluss auf den Kleidungsstil gehabt zu haben
Erfinder Thomas Alva Edison folgte im Jahr 1884 dem Rat seines Arztes, den Winter in wärmeren Gefilden zu verbringen. 45 Mal kam er in der kalten Jahreszeit nach Fort Myers. Er wollte es nett haben und ließ 200 Königspalmen aus Kuba einschiffen, um die heute 24 Kilometer lange Avenue of Palms zu verschönern. Außerdem lockte er seinen Freund Henry Ford, der in Autos machte, in die Wildnis. Erst kamen die Fords zu Besuch, ab 1916 wohnten sie im Haus nebenan.
John und Mable Ringling waren ebenfalls frühe Winter-Flüchtlinge, die mit einem Zirkus ihr Vermögen gemacht hatten. 1911 kamen sie nach Sarasota, wo sie eine 30-Zimmer-Villa und nebenan ein Museum für ihre Kunstschätze erbauen ließen.
Auch im teuren Palm Beach folgen viele Bewohner der Macht der Gewohnheit: Die ersten reichen New Yorker und Bostoner überwinterten hier schon, als das Sumpfgebiet gerade bewohnbar gemacht worden war, darunter die Astors und die Kennedys.
Die Anziehungskraft des Sunshine State ist ungebrochen: Auch Rock-Rentner Iggy Pop, Jahrgang 1947, wärmt sich in Florida. Er suchte nach einem "eleganten Koma mit viel Ruhe und Bequemlichkeit" – und fand es in Miami.
Merengue bis Rumba: Tanztee in Miami
In Miami bebt die Luft. Salsa, Mambo, Conga – dank eines hohen Bevölkerungsanteils mit lateinamerikanischen Wurzeln sind dem Bewegungsdrang keine Grenzen gesetzt. Menschen mit fortgeschrittener Tanzstundenerfahrung können sich in Miamis Latino-Clubs generationenübergreifend ertüchtigen.
Zum Beispiel in "Mango's Tropical Café" in South Beach (900 Ocean Drive), wo die Kellnerinnen gelegentlich auf den Tischen tanzen, oder in "Bongo's Cuban Café" (601 Biscayne Boulevard), wo man unter freiem Himmel kubanisch tanzt, isst und trinkt. Sehr authentisch, gehört es doch Gloria Estefan, mit über 100 Millionen verkauften Platten die Königin kubanischstämmiger Sängerinnen.
Foto: Getty ImagesIn Florida fällt es Älteren nicht schwer, Kontakt zu Gleichaltrigen zu knüpfen
You'll never walk alone: Gesellschaft
So viel Umgang mit Lebensabschnittsgenossen hatten Sie zuletzt in der Krabbelgruppe Ihrer Kinder. Leute in den besten Jahren und knapp darüber hinaus geben hier den Ton an.
Dass Florida sich so den etwas bösartigen Beinamen "God's waiting room" verdient hat, sollte Best Ager nicht irritieren. Floridas Rentner fahren Golf-Caddies und keine Rollatoren, so viel zum finalen Wartesaal. Dank sportlicher Aktivität, sozialer Kontakte zu Gleichgesinnten und frischem Orangensaft am Morgen muss der Himmel noch lange auf sie warten.
Lange stand die Metropole an der Westküste Floridas im Schatten des berühmten Hotspots Miami. Jetzt holt die Tampa-Bay-Region auf. Bislang fuhren die meisten Urlauber durch Tampa, um möglichst rasch an die langen Sandstrände am Golf von Mexiko oder auf die unzähligen Golfplätze zu gelangen. Dabei wissen sie gar nicht, was sie verpassen.
Allein für einen Bummel über die Seventh Avenue in Ybor City lohnt sich bereits ein Besuch in Tampa. Wenn sich der Abendhimmel rot färbt und eine leichte Brise durch die Palmen streicht, erwacht das in der Hitze des Tages vor sich hindösende Viertel zum Leben.
Pick-ups, Oldtimer und knatternde Harley-Davidson rollen langsam vorbei an den Restaurants, Bars und Zigarrenshops, deren Leuchtreklamen jetzt aufflackern. Musik dringt aus den Cafés – das Spiel von Sehen und Gesehen werden hat begonnen. Die Kleider der Frauen sind kurz, die Zigarren der paffend am Straßenrand sitzenden Männer lang.
700 Millionen handgerollte Zigarren pro Jahr
Einst war Ybor City die Zigarrenhauptstadt der Welt. In den 150 Zigarrenfabriken wurden pro Jahr 700 Millionen Zigarren von Hand gerollt. Eine Kunst, die man heute noch in Tampa anschauen kann. Zwei Zigarrenfabriken haben überlebt, in den kleinen Tabakläden auf der Seventh Avenue werden immer noch Zigarren von Hand gerollt.
Die meisten werden von Touristen gekauft. Die erste lassen sie sich gerne noch im Laden vom Verkäufer fachmännisch und mit der gebotenen Theatralik anzünden. Zigarren sind – Gesundheit hin oder her – schließlich ein Kulturgut und in Ybor City Teil des Lebensgefühls.
Ybor City wirkt wie ein Little Havanna – zum Glück ohne den in Amerika oft unvermeidlichen Disney-Schnickschnack. Es ist keine reine Touristenattraktion, sondern das Ausgehviertel der Einheimischen, und von denen stammen immerhin 80.000 von Kubanern ab.
Tipps für Tampa
Diese US-Kubaner mischen sich tatsächlich auch unter die Gäste des berühmten "Columbia"-Restaurants, an dessen großer Bar die Rum-Cocktails bis spät in die Nacht über den Tresen gehen. Im ältesten Restaurant Floridas gibt es jeden Abend zum Dinner eine Flamenco-Aufführung – nicht, weil eine Flamenco-Show bei den Gästen gerade gut ankommt, sondern weil die spanischen Eroberer den Tanz ins Land gebracht haben und er damit Teil der Kultur geworden ist. Im Columbia wird er mit stolzem Ernst zelebriert – wie es sich gehört. Dazu wird ein (für eine Dinnershow) erstaunlich gutes Essen zu ebenso erstaunlich fairen Preisen serviert.
Auch die "Aida-Vita" hat Tampa entdeckt
Bei Cocktails und Zigarren reden die kubanischstämmigen Einwohner in Ybor City viel über die Annäherung zwischen ihrer alten und ihrer neuen Heimat. Für Tampa könnte sie einen neuen Boom auslösen.
"Wir wären der ideale Hafen für Fährverbindungen nach Kuba", sagt Greg Lovelace vom Port Tampa Bay. Der Tourismus wird für den Hafen immer wichtiger. Schon jetzt können drei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig in Tampa anlegen. "2014 war auch die ,Aida-Vita' zum ersten Mal da und sie wird in Zukunft häufiger kommen", sagt Lovelace.
Die Deutschen entdeckten Tampa gerade erst so richtig, meint der Hafenmanager. Dazu passe auch, dass die Lufthansa im September 2015 Direktflüge nach Tampa aufnehme. Auch die Anzahl der Flüge nach Kuba soll steigen. Derzeit sind es gerade mal zehn pro Woche, während Rivale Miami rund 20 pro Tag anbietet.
Tampa war schon immer ein Brückenkopf für Kuba, keine andere Stadt Floridas hat ältere und bessere Beziehungen nach Havanna. "Lange bevor Miami überhaupt eine Stadt war, rollten Kubaner in Tampa schon Zigarren", schreibt der Miami Herald. Schon Ende des 19. Jahrhunderts kamen Tausende Kubaner nach Tampa und blieben.
Sie verließen ihre Heimat zum Teil zwar aus wirtschaftlicher Not, aber freiwillig. Sie gingen nicht ins Exil, wie sehr viele Kubaner, die seit den 1960er-Jahren vor Fidel Castros Regime in die USA flüchteten und sich vor allem in Miami ansiedelten. Die in Miami lebenden Exil-Kubaner sehen die Annäherung an das Castro-Regime deshalb auch sehr viel kritischer als die Tampa-Kubaner.
"Wir haben nicht erlebt, was sie mitgemacht haben. Deshalb sind wir ein bisschen entspannter als die in Miami", sagt Tampas langjähriger Stadtrat Charlie Miranda, dessen Eltern schon 1911 von Kuba nach Ybor City auswanderten.
Ein Stückchen kubanisches Land mitten in Tampa
Tampa will seine Verbindungen mit Havanna auf allen Ebenen ausbauen. Tampas Stadtrat befürwortete im April dieses Jahres deshalb auch die Eröffnung eines kubanischen Konsulats in der Stadt. Sollten die USA bald ein Abkommen mit Kuba unterzeichnen, dann bitte in Tampa, so der Stadtrat. Welcher Ort wäre auch besser geeignet, als Ybor City, wo Kuba selbst in den schwierigsten Zeiten der Konfrontation noch ein Stück Land in den USA besaß?
Der José-Martí-Park ist ein nur rund 500 Quadratmeter großes Areal mitten in Ybor City mit einer weißen Statue des kubanischen Freiheitskämpfers José Martí. Der Schriftsteller sammelt Ende der 1890er-Jahre in Ybor City bei den Zigarrenbaronen Spenden für den Kampf gegen die spanischen Kolonialherren. Ein reiches kubanischstämmiges Ehepaar kaufte das Haus, in dem Martí damals oft wohnte, und vermachte es 1956 Kuba.
Tampa und Kuba gehören zusammen, meint auch der Chef der auf Englisch, Spanisch und Italienisch erscheinenden Lokalzeitung La Gaceta, Patrick Manteiga. "Man kann die Geschichte Kubas nicht ohne Tampa schreiben und die Geschichte Tampas nicht ohne Kuba", erklärte der Zeitungsmann einmal der New York Times.
Touristiker sehen das genauso und planen bereits Reiseangebote mit einigen Tagen in Tampa zur Einstimmung, bevor es dann mit dem Schiff hinüber nach Havanna geht.
Vorsicht vor Stachelrochen und Alligatoren
Genug zu bieten hätte Tampa. Ganz nah am Hafenterminal liegen das lohnenswerte Tampa Bay History Center und das The Florida Aquarium. Wieso dort Kinder animiert werden, in einem Becken Stachelrochen anzufassen, bleibt allerdings ein pädagogisches Rätsel. Schließlich liegen Stachelrochen auch an den langen Stränden rund um Tampa gern im flachen und kristallklaren Wasser auf dem Sandboden. Fasst ein Kind frei lebende Rochen an, kann das tragisch enden.
Genauso wie ein Zusammentreffen mit einem der großen Alligatoren. Die treiben sich gern auch auf den Golfplätzen, wie auf den tropischen Kursen des Saddlebrook Resorts oder auf dem hervorragenden TPC Tampa-Course herum. Auch in den Kanälen rund um Downtown sieht man beim Spaziergang entlang des River Walks zwischen dem Historischen Museum am Hafen und dem Tampa Museum of Artimmer wieder mal eines dieser urzeitlichen Tiere.
Vom Riverwalk aus (hier darf man übrigens mit den dort gekauften Drinks in der Hand flanieren – ungewöhnlich für die USA) sieht man hinüber auf die gigantischen Villen mit eigenen Bootsanlegestegen auf Davids Island. "Dort leben viele unserer Eishockeystars", erzählt Dave Reynolds vom Tourismusverband Tampa Bay. Die Tampa Bay Lightnings standen 2015 immerhin im Finale der amerikanischen Profi-Eishockeyliga. Dass das heiße Tampa keine Eishockey-Hochburg mit Tausenden Amateurspielern ist, versteht sich von selbst. Aber mit dem Geld von Lightnings-Besitzer Jeffrey Vinik ist eben vieles möglich.
Investitionen in die Hoffnung
Der schwerreiche Unternehmer investiert im großen Stil in Tampa. Gerade ist er dabei das Gelände zwischen den Kreuzfahrtterminals und seiner Sport-Arena zu entwickeln, um Tampa für das boomende Kreuzfahrtbusiness und das erwartete Geschäft mit Kuba aufzupeppen.
Es tut sich einiges in Tampa. So entstand gerade erst im ehemaligen Gerichtspalast ein "Le Méridien"-Boutiquehotel und am Stadtrand mit Top-Golf ein gigantisches Golftrainings- und Vergnügungscenter, in dem man auf drei Ebenen wie in einer Drivingrange abschlagen kann. In jedem Ball ist ein Computerchip integriert, der auf einem Monitor anzeigt, wie weit man geschlagen und ob man das anvisierte Ziel getroffen hat.
Dazu wird man mit lauter Musik beschallt, mit Fast Food gefüttert und mit Drinks versorgt. Was Etikette bewussten Golfern ein Graus sein wird, ist in Tampa der Renner. An Wochenenden gibt es in dem genauso golf- wie vergnügungssüchtigen Florida oft lange Warteschlangen vor der Top-Golfanlage.
Das berühmte "Cuban Sandwich"
Wem das zu viel Trubel ist, sollte zum Dinner lieber ins hervorragende Restaurant "Ulele" mit seinen von der indianischen Küche inspirierten Gerichten gehen oder auf ein "Cuban Sandwich" nach Ybor City. In Tampa meinen sie steif und fest, dass das kubanische Sandwich hier und nicht – wie oft behauptet – in Miami erfunden wurde.
Erstmals serviert wurde es Berichten zufolge in beiden Städten im Jahr 1947. Im "Historic Tampa Cuban Sandwich" (dafür gibt es eigens sogar ein Festival) liegen zwischen zwei Baguettehälften Schinken, gegrilltes Schweinefleisch, Schweizer Käse, Salami, Gurken, Senf und Mayonnaise.
Die Kubaner in Miami dagegen halten Mayonnaise und Salami in einem kubanischen Sandwich für absolut deplatziert – in kubanischen Fragen sind sich Tampa und Miami selten einig.