Präsidentschaftswahl in den USA
Obama hat es klar geschafft
Barack Obama steht für vier weitere Jahre an der Spitze der USA: Bei
der Präsidentschaftswahl kann der Amtsinhaber laut Hochrechnungen mit
mindestens 303 Wahlmännerstimmen rechnen - 270 der insgesamt 538 Stimmen
sind notwendig.
Nach den Berechnungen siegte er in einer ganzen
Reihe von entscheidenden "Swing States", wo der Ausgang bis zuletzt
völlig offen war. Den Ausschlag für den Demokraten gab das besonders
umkämpfte Ohio. Auch den "Swing State" Virginia gewann Obama, genauso
wie unter anderem Pennsylvania, Michigan, Wisconsin und den mit Abstand
größten Staat Kalifornien. Allein das Ergebnis im "Swing State" Florida
steht noch aus, ist aber nicht mehr entscheidend.
Obama sagt "Danke"
Zu
den Klängen von Stevie Wonder kam Obama gemeinsam mit Ehefrau Michelle
und den beiden Töchtern auf der Bühne in einem Konferenzzentrum in
seiner Heimatstadt Chicago.
Er genoss zunächst schweigend den
Jubel und rief dann seinen Anhängern zu: "Ich möchte jedem US-Bürger
danken, der an den Wahlen teilgenommen hat." Ein ganz spezieller Dank
ging an seine Unterstützer: "Ihr seid das beste Kampagnenteam, das es je
gegeben hat. Das Beste!", sagte er. "Ihr seid eine Familie. Ihr tragt
die Erinnerung mit Euch an die Geschichte, die wir zusammen gemacht
haben." Ohne diese Unterstützer wäre der Erfolg nicht möglich gewesen:
"Ihr seid es gewesen, die mich empor gehoben haben."
Kurz nach Mitternacht (Ortszeit) tritt Obama zusammen mit seiner Frau
Michelle und den beiden Töchtern Sasha und Malia in Chicago vor die
jubelnden Anhänger.
Mit einer Liebeserklärung wandte sich der wiedergewählte
Präsident an seine Ehefrau: "Michelle, ich habe Dich niemals mehr
geliebt." Er sei stolz, dass auch der Rest der Nation ihr als First Lady
so zugewandt sei. Auch seine Töchter Sasha und Malia hob Obama hervor:
Sie seien intelligente und wunderschöne junge Frauen.
Seinen ersten Dank hatte Obama per Twitter an seine Anhänger gerichtet: "Wir sind alle beteiligt. Das ist unser Wahlkampf.
Obama reicht Republikanern die Hand
Er gratulierte
seinem unterlegenen Kontrahenten Mitt Romney zu dem hart umkämpften
Wahlkampf und kündigte an, mit ihm darüber reden zu wollen, wo beide
Seiten kooperieren könnten. In seiner zweiten Amtszeit steht Obama vor
großen Herausforderungen: Er muss so schnell wie möglich das riesige
Haushaltsloch angehen, ohne eine weitere Rezession zu riskieren. Dazu
braucht er die Unterstützung des Kongresses, in dessen einer Kammer - im
Repräsentantenhaus - die Republikaner weiter die Oberhand haben.
Obama
appellierte an die Einigkeit der Amerikaner und sagte: "Ob ihr in den
letzten Wochen ein Romney-Plakat oder ein Obama-Plakat getragen habt -
ihr habt etwas bewegt."
In Washington, New York und anderen großen
Städten kamen Tausende Anhänger Obamas zusammen, um den Wahlsieg zu
feiern. Sie schwenkten US-Flaggen und Wahlplakate von Obama. Manche
fielen einander in die Arme, andere prosteten sich zu.
Jubelnde Menschen am Times Square in New York
Romney erkennt Niederlage an
Der gescheiterte
republikanische US-Präsidentschaftskandidat Romney hatte zuvor seine
Niederlage eingestanden. "Ich habe soeben Präsident Obama angerufen, um
ihm zu seinem Sieg zu gratulieren", sagte er vor Anhängern in seinem
Wahlkampfhauptquartier in Boston.
Räumt seine Niederlage ein: Mitt Romney bei seiner Ansprache in Boston
"Das ist eine Zeit großer Herausforderungen für Amerika, und ich
bete, dass der Präsident Erfolg haben wird, unsere Nation zu führen."
Aus diesem Grund rief Romney rief zur Zusammenarbeit über Parteigräben
hinweg auf: "Unser Land ist an einem kritischen Punkt. Das ist nicht die
Zeit für politisches Gezänk."
Seinen Anhängern rief er zu: "Ich
habe mir so sehr gewünscht, eure Hoffnungen zu erfüllen, das Land in
eine andere Richtung zu führen." Zugleich bedankte er sich bei seinem
Team und seiner Familie für die geleistete Arbeit. Besonders hob er
seinen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft, den Abgeordneten Paul
Ryan, hervor.
Auf Romney entfallen im Augenblick mindestens 206
Wahlmännerstimmen. Er liegt unter anderem in Texas, Georgia, Arizona,
Tennessee und Indiana vorn.
New Jersey verlängert Frist für Stimmabgabe
New
Jersey hat wegen der Probleme bei der Stimmabgabe für die Wahlen in den
von Hurrikan "Sandy" verwüsteten Gebieten die Frist für die Wahl per
E-Mail bis Freitagabend verlängert. Das besagt laut US-Medienberichten
eine Anordnung des Vize-Gouverneurs Kim Guadagno.
Demnach haben
Bewohner, die aus zerstörten Gebieten fliehen mussten, und Ersthelfer
die Möglichkeit, ihre Stimme bis Freitag 20.00 Uhr abzugeben. Ziel sei
es, dass möglichst viele Menschen an der Wahl teilnehmen können. Die New
Jersey gilt als Hochburg der Demokraten.
Animation
Der lange Weg ins Weiße Haus
Alle Ergebnisse der Bundesstaaten im Überblick [animation]
Republikaner im Repräsentantenhaus - Demokraten im Senat
Bei
der zeitgleich mit der Präsidentenwahl stattfindenden Wahl in beiden
Parlamentskammern, dem Kongress, konnten die Republikaner ihre Mehrheit
im Repräsentantenhaus verteidigen und die Demokraten im Senat.
Noch
sind nicht alle Stimmen ausgezählt, aber die Republikaner kommen im
Repräsentantenhaus auf mindestens 218 der 435 Stimmen. Im Senat standen
33 der 100 Senatorenposten zur Wahl. Mindestens 51 Sitze werden die
Demokraten besetzen.
Äußerungen zu Vergewaltigungen kosten Republikaner den Sitz
In
Indiana verlor der umstrittene republikanische Bewerber Richard
Mourdock nach TV-Berichten den bisher von den Republikanern gehaltenen
Sitz an den Demokraten Joe Donnelly. Der erzkonservative Mourdock hatte
einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, als er sagte, selbst eine
Schwangerschaft nach Vergewaltigungen sei gottgewollt.
In
Missouri, wo der republikanische Senatsbewerber Todd Akin ebenfalls mit
Kommentaren über Vergewaltigungen für Empörung sorgte, konnte die
demokratische Senatorin Claire McCaskill ihren Sitz verteidigen. Lange
hatte es im Wahlkampf danach ausgesehen, dass Akin den Sitz von
McCaskill erobern würde. Dann hatte der Republikaner erklärt, der
weibliche Körper könne bei einer Vergewaltigung eine Schwangerschaft
verhindern - und sackte in der Wählergunst ab.
Demokraten erobern Sitze zurück
Obamas
Partei eroberte nach Angaben der Sender CBS und MSNBC auch den Sitz des
2009 verstorbenen demokratischen Senators Ted Kennedy aus Massachusetts
zurück. Diesen hatte der Republikaner Scott Brown in einer Nachwahl für
den Rest von Kennedys Amtszeit bis Ende dieses Jahres ergattert. Brown
verlor den Sitz jedoch an seine demokratische Herausforderin Elizabeth
Warren.
Auch im Senatsrennen in Connecticut gewann der Demokrat
Christopher Murphy den Sitz des parteilosen Senators Joe Lieberman, der
sich aus der Politik zurückzieht. Lieberman, ein früherer Demokrat,
hatte gewöhnlich mit seiner alten Partei abgestimmt.